Deutschland – es gibt auch Vorteile
Die Rückkehrer - viele kommen irgendwann wieder zurück nach Deutschland
(EM) Insbesondere die Deutschen selbst sehen Deutschland meist kritischer als Ausländer. Während diese die deutsche Ordnung, Sauberkeit und Disziplin bewundern, gehen wir selbst oft gnadenlos mit unserer Heimat ins Gericht. Wir sind ein Online-Magazin, das sich vornehmlich an Reiselustige und Auswanderer wendet. Aber gerade deswegen ist uns wichtig, dass wir die potentiellen Auswanderer auch vorher informieren, was sie vielleicht verlieren, wenn sie Deutschland den Rücken kehren.

Bild: Für die meisten Kölner ist ein Leben ohne Dom schwer vorstellbar
Deutschlands Klima besser als sein Ruf
Um die Vorteile einer neuen Heimat wirklich einordnen zu können, muss man auch die Vorteile der alten Heimat kennen. Deutschland hat sicherlich nicht das beste und auch nicht das gesündeste Klima der Welt. Insgesamt gehört Deutschland zur gemäßigten Zone, wobei es im Westen und an der Küste etwas maritimer ist, im Osten etwas kontinentaler. Auf den ersten Blick ist es am Mittelmeer mit seinen warmen Wintern sicherlich schöner, dafür sind die Sommer aber auch dort sehr heiß und trocken. Dies führt leider allzu oft zu Waldbränden. Im Winter kann es auch plötzliche Platzregen und Überschwemmungen am Mittelmeer geben. Stürme toben sich aus und in Kroatien und Montenegro weht z.B. auch schon mal die Bora.
Außerhalb Europas wird es zum Teil noch extremer. Da gibt es Hurrikans, Zyklonen, Taifune und Dürreperioden. Insgesamt ist das Klima in Deutschland angenehmer einzustufen, als man zunächst glauben mag. Von extremen Wetterphänomenen sind wir in der Mitte Europas meist verschont. Mittelamerika oder Chile haben bildschöne Landschaften zu bieten, liegen aber auch in Erdbebenzonen. Und nicht nur das, hier können Erdbeben in einer Stärke auftreten, die sich ein Mitteleuropäer kaum vorstellen kann.
Die schrecklichen Bilder der Tsunamikatastrophe in Ostasien vom 2. Weihnachtstag 2004 haben es vielen brutal gezeigt: Auch idyllische Paradiese können Gefahren beinhalten, über die man sich vorher im Klaren sein sollte. Zu solchen Ereignissen und zu den persönlichen Schlussfolgerungen muss ein jeder selbst gelangen. Wichtig ist nur, wenn Sie auswandern, informieren Sie sich vorher über die geografischen und klimatischen Risiken. Beachten Sie auch, ob es in der neuen Heimat nicht übermäßig viele giftige Tiere gibt. Zumindest sollte Sie wissen, wie man sich verhält, wenn es hier einmal zu einer unabsichtlichen Begegnung kommt.
Deutschlands Landschaften, Städte und Mentalität
Landschaftlich ist Deutschland eines der vielseitigsten Länder weltweit. Wir haben die raue Nordsee und die liebliche Ostsee, mit schönen weißen Sandstränden. Bei dem richtigen Wetter kann es Deutschland mit so manchem Urlaubsparadies aufnehmen. Die Alpenlandschaft und der Bodensee sind ebenfalls herrliche Urlaubsgebiete. Und zwischen Meer und Alpen liegen auch sehr vielseitige Regionen und Landschaften. Ganz zu schweigen von Metropolen wie Berlin, Hamburg und München. Der rheinische Karneval und Köln sind ebenfalls weltberühmt. Manch ein Karnevalist wird die fünfte Jahreszeit vielleicht so sehr vermissen, dass er doch wiederkommt. Es soll schon solche Fälle gegeben haben. Nein- aber im Ernst: Deutschland hat kulturell und kulinarisch unglaublich viel zu bieten.
Allerdings ist Deutschland sehr dicht besiedelt und besonders zersiedelt. Aber man muss unserer Heimat zugestehen, dass wir in Sachen Umweltschutz viel dazugelernt haben. Da liegen andere Länder noch weit hinter Deutschland zurück. Dies soll kein Eigenlob sein, aber man sollte hier schon einmal drüber nachdenken.

Die Urfttalsperre bietet schöne Wandermöglichkeiten (c) EM
Die Kriminalität, besonders in den Deutschlands Städten ist stark angestiegen. Leider bilden wir in diesem Punkt international aber keine Ausnahme. Auch in anderen Ländern ist es gefährlicher geworden. In manchen Ländern kann man sich generell nachts nicht mehr auf die Straße trauen. Wer Deutschland vom Sicherheitsaspekt den Rücken kehrt, muss schon eine gute Alternative ausfindig machen.
Den Deutschen sagt man nach, unfreundlich und nicht sonderlich herzlich zu sein. Die deutsche Mentalität, wenn es sie denn gibt, ist sicherlich nicht unbedingt lebenswürdig. Aber ich glaube, dass die Deutschen freundlicher und offener sind, als sie vielleicht selbst manchmal zugeben möchten. Die deutsche Geschichte ist äußerst problematisch und auch in Hollywood- und James-Bond-Filmen sind wir nicht unbedingt die Lieblinge der Herzen. Aber diese Klischees sind in meinen Augen überholt. Die Deutschen haben in meinen Augen nicht mehr Disziplin als Engländer oder Niederländer. Und auch in Sachen Toleranz brauchen wir uns vor anderen westlichen EU-Landsleuten nicht zu verstecken. Viele Menschen erscheinen hierzulande im Alltag missmutig, dies merkt man besonders gerne in öffentlichen Verkehrsmitteln. Wenn man aber selbst etwas Hilfsbereitschaft und Höflichkeit an den Tag legt, ist man oft überrascht, wie viel Freundlichkeit von manchem Muffel zurückkommt. Also, auch in Deutschland gibt es viele nette Menschen. Man muss manchmal vielleicht nur etwas mehr Geduld haben, als anderswo.
Wirtschaftlich immer noch nicht schlecht
Wirtschaftlich geht es den Meisten hier immer noch gut und auch in anderen Ländern ist das Leben in den letzten Jahren härter geworden. Besonders wer in Deutschland einen guten Job hat, sollte gut überlegen, bevor er auswandert, denn im Ausland fängt man oft ganz unten auf der Jobstufe wieder an. Viele Abschlüsse und Diplome sind im Ausland nicht anerkannt. Auch hier ist es wichtig sich vorher zu informieren.
Im Ausland bleibt vielfach mehr vom Geld übrig. Die Lohnnebenkosten sind zum Teil geringer und die Aufstiegsmöglichkeiten nicht so reglementiert und zementiert wie in Deutschland. Aus wirtschaftlichen Gründen kann die Auswanderung aus Deutschland sicher interessant sein, wenn man hier entweder keinen Job hat und voraussichtlich so bald auch nicht findet, oder man hier keine Chancen hat aus seinem frustrierenden Job heraus zu wechseln. Genauso, wenn man von sich überzeugt ist und vermutet, dass andere Länder das persönliche Engagement sicherlich besser honorieren würden. Aber auch da, sollte man sich nicht zu sicher sein.
Man sollte nie vergessen, ein soziales Netz wie in Deutschland wird einen woanders nicht unbedingt auffangen. Für einen Bürger, der etwas leisten möchte ist es sicherlich nicht angenehm, wenn er arbeitslos ist. Trotzdem hat er in Deutschland ein gewisses Existenzminimum.
Politik kann nerven, aber Wer macht es besser?
Deutschland und seine Innen- und Außenpolitik können einen schon aufregen. Da blockieren sich die Parteien gegenseitig und die Lobbyisten mischen auch eifrig mit. Am Ende wird mal wieder ein Gesetzt gebastelt, dass hunderte von Paragraphen beinhaltet und dabei Unmengen an Ausnahmen und Unklarheiten hervorbringt. Deutschland hat ein besonderes Talent, und das scheint allen Parteien hier gemeinsam, gute Ideen schlecht und kompliziert umzusetzen. Das ist bitter und vor lauter Frust sagt manch einer: Ich muss mir das nicht länger antun, ich wandere aus!
Diesen Moment kennt fast Jeder und viele können das sicher nachvollziehen. Man sollte sich aber im Klaren darüber sein, dass andere Länder da nicht besser sind. Man mag es sich kaum vorstellen, aber es ist so. Manche Länder sind erst junge Demokratien und noch quasi am üben, was es heißt eine Demokratie zu sein. Mit unserem anspruchsvollen Demokratieverständnis werden wir dort sehr schnell ebenfalls Frust erleben. In manchen Ländern gibt es immer noch offene Konflikte, selbst wenn Bürgerkriege schon beendet sind. Bei der Lösung dieser Konflikte kann es schnell zu Gewalt kommen, die uns glücklicherweise zumindest in den letzten Jahren fremd ist. Dazu kommen auch große Mentalitätsunterschiede, die schneller als hierzulande in Gewalt enden können.
Oft hört man: „Es wird Zeit, dass wir Deutschen aufstehen und demonstrieren. Wir können uns das nicht länger gefallen lassen!“. Sicher, in Sachen demonstrieren und streiken sind wir Deutschen immer noch ziemliche Waisenknaben. Wir lassen uns in der Tat sehr viel gefallen von den Politikern. Aber immerhin gerade in Sachen Streik kommen die Deutschen langsam auf den Geschmack. Leider sind die Leidtragenden in der Regel die Pendler, Kleinunternehmer oder Familien. Oft trifft es die Falschen und deswegen sollte man Streiks nur vorsichtig einsetzen. Ich bin daher froh, dass es in Deutschland lieber etwas bedachter zugeht, als das es Straßenschlachten und bürgerkriegsähnliche Zustände in den Vorstädten gibt (wie z.B. direkt vor unserer Tür in Frankreich).
Es gibt auch andere Bürokratien
Deutschland ist kompliziert, bürokratisch und blockiert durch Lobbyisten. Die Deutschen sind satt und träge. Diese Aussagen stimmen vielleicht zum Teil, aber unser Land und System bietet bei alledem auch eine gewisse Konstante und mich ärgert immer besonders, wenn gerade die Menschen die von unserem System sehr profitieren Deutschland am Ende kritisieren oder gar beschimpfen. Es ist schon erstaunlich, dass gerade die reichen Bundesbürger, gerne Schwarzarbeiter beschäftigen. Es ist aber nicht minder ärgerlich, wenn Sozialschmarotzer Deutschland abzocken und gleichzeitig motzen. Damit beschimpfen sie auch die Menschen, die hart dafür arbeiten und Steuern zahlen.
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Nicht nur in Deutschland gibt es Gesetze und Paragraphen
Und Steuern zahlen muss man auch in anderen Ländern. Viele wundern sich, dass die Steuerbelastung in anderen Ländern sogar höher ist als in Deutschland. Auch in Sachen Steuerrecht sollte man sich daher gut überlegen, wohin man auswandert. Am Ende bleibt weniger übrig als im kalten und bürokratischen Sozialstaat Deutschland.
Die deutsche Bürokratie kann einen manchmal anöden, aber gerade in einigen Mittelmeerländern oder Südamerika finden sich durchaus mehr als ebenbürtige Systeme. Und gerade in Südamerika spielt Korruption leider immer noch eine wichtige Rolle, sprich wer gut schmiert, der gewinnt! Daran muss man sich erst einmal gewöhnen und mit Fairness hat das wenig zu tun. Deutschland hat berechenbare Gesetze und wenig Willkür. Sicher, auch hier kann man einem Staatsbediensteten* gegenübersitzen der es besonders genau nimmt und dessen Horizont an der Schreibtischkante beendet ist. Aber auch hier setzt sich langsam die Einstellung durch, dass der Staat für die Bürger da ist und nicht umgekehrt. Bürgerfreundlichkeit gibt es auch in Deutschland und manch ein Beamter oder Angestellter ist menschlicher als man glaubt.
Anmerkung: Korinthen...ker gibt es außerdem nicht nur im öffentlichen Sektor. auch Banken, Versicherungen und Einzelhandel können damit aufwarten.
Fazit: Gut überlegen
Also, bei aller berechtigter Kritik am System Deutschland, Auswandern will gründlich überlegt sein. Wer in Deutschland geboren wurde und hier etabliert ist, hat heute sicherlich im weltweiten Vergleich kein allzu schlechtes Los gezogen.
Ganz wichtig ist außerdem, dass Sie die Tür nach Deutschland nicht zuschlagen. Die Rückkehr nach Deutschland sollte man immer als Trumpf auf der Hand behalten.
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