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Spitzbergen – ein extremes Leben
Spitzbergen ist eine Insel im Arktischen Ozean und gehört zu Norwegen.
Die höchste Erhebung hier ist benannt nach dem Physiker Sir Isaac Newton, nämlich Newtontoppen. Die Höhe wird angegeben mit 1.713 m.
Eigentlich ist Spitzbergen nur die Hauptinsel von Svalbard, einer Inselgruppe. Vor allem im deutschen Sprachraum hat es sich aber eingebürgert die gesamte Gruppe Spitzbergen zu nennen.
Zur Inselgruppe gehören unter anderem Nordostland, Barentsova oder Barentsinsel, Prinz-Karl-Vorland, Bjørnøya oder Bäreninsel, Hopen und das König-Karl-Land.
Alle Küsten der Inseln sind ähnlich wie die Küste Norwegens durchzogen von vielen Fjorden.
Das wichtigste Verkehrsmittel um auf Spitzbergen von A nach B zu kommen ist das Boot. Ganz besonders im Sommer, wenn die versumpfte Tundra nicht durchquert werden kann.
Rund zwei Drittel von Spitzbergen besteht aus Gletschern.
Die tektonischen Bewegungen in diesem Gebiet sind sehr rege und es kommt immer wieder zu Erdbeben. Im Februar 2008 kam es zum bisher stärksten Erdbeben mit einer Stärke von über 6 im Epizentrum.
Das Klima hier oberhalb der Polargrenze ist – wie soll es auch anders sein – arktisch, durchgehend kühl mit geringen Niederschlägen und in den Küstenregionen nur im Sommer und dann auch nur für kurze Zeit schneefrei.
Trotzdem haben die Ausläufer des Golfstroms es geschafft, dass die Winter relativ mild sind und diese Inselgruppe überhaupt von Menschen bewohnbar ist.
Zur Information: Die Durchschnittstemperatur liegt bei -4,5°C, im Sommer zwischen -2° und +17°C und im Winter zwischen -25° und +5°C. Dabei natürlich oft Schneefall und Nebel.
Also sicher kein Wetter für alle, die das Meer zum baden lieben.
Dafür gibt es hier viel Sonne am Stück – zwischen dem 20. April und dem 26. August geht die Sonne gar nicht unter.
Dafür dann das andere Extrem: Die Polarnacht dauert hier vom 26. Oktober bis 16. Februar und von Mitte November bis Ende Januar gibt es noch nicht einmal eine Dämmerung.
Trotz alle dem haben sich auch hier Menschen niedergelassen.
Das Kohlevorkommen auf der Inselgruppe Spitzbergen hat um ca. 1900 die ersten Siedler hier her verschlagen.
Heute ist es das größte Labor der Welt im Bereich der Arktisforschung. Auch Forschungsraketen werden von hier aus gestartet, nämlich vom Startplatz SvalRak in der Nähe von Ny-Ålesund.
Das Spitzbergen-Rentier gibt es nur hier. Man ist sich nicht einig, ob es vor langer, langer Zeit aus Eurasien hier eingewandert ist oder eher aus Grönland kommt.
Weitere hier beheimatete Landsäugetiere sind der Eisbär und der Polarfuchs.
Im Grunde ist der Eisbär ein sog. maritimes Tier und lebt vor allem auf dem Meereis um so zu den Robben, seiner Hauptnahrung, zu kommen. Aber trotzdem – Vorsicht bei Ausflügen. Immer wieder kann es zu einer Begegnung mit einem Eisbär kommen und die sind nicht ungefährlich.
Abgesehen von ein paar Feldmäusen im Gebiet um Longyerbyen – wahrscheinlich mit Schiffen eingeschleppt – sucht man vergebens nach anderen Landsäugetieren.
Im Meer sind eigentlich die verschiedenen Wale zu Hause. Aber auch hier hatte der Mensch einen nicht gerade rühmlichen Auftritt. Über einen großen Zeitraum waren immer wieder ganze Flotten unterwegs um auf Jagd auf Grönlandwale, Nordkaper und Furchenwale zu gehen. Auch Narwale und Weißwale wurden stark dezimiert. Sicher sind jedem die Bilder von den Greenpeace bekannt.
Walrosse sind so gut wie vollständig vertrieben.
Zu den hier lebenden Robbenarten gehören die Sattelrobbe, die Ringelrobbe, Bartrobbe und ganz wenig auch die Klappmütze.
Es gibt nur etwa 30 verschiedene Vogelarten auf Spitzbergen. Dazu gehören Alkenvögel, Krabbentaucher, Papageientaucher, Trottelulme, Eismöwe, Eissturmvogel, Küstenseeschwalbe und Sterntaucher – um nur einige zu nennen.
Im Landesinneren gibt es das Alpenschneehuhn. Es verbringt als einziger Vogel auch den Winter hier.
Einen Singvogel gibt es auch hier – die Schneeammer.
Die Flora ist die einer Tundrenvegetation ähnlich der Vorkommen im skandinavischen Gebirge. Rund 130 blühende Pflanzen – unter anderem Steinbrecharten, Fingerkraut, Löwenzahn und Wollgras – kommen hier vor.
Bäume sucht man hier vergebens. Es gibt zwar die Zwergbirke, aber auch die kriecht eigentlich nur den Boden entlang.
Auf der Inselgruppe Sptzbergen oder Svalbard leben insgesamt nur knapp 3.000 Menschen, davon rund 1.800 in der Hauptstadt Longyearbyen.
Hier gibt es auch eine Universität, die UNIS, als Außenstelle der Universitäten von Oslo, Bergen, Tromsø und der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens. Das Hauptfach hier sind natürlich die Arktischen Wissenschafts- und Technologiefelder.
Im Forschungszentrum Ny-Ålesund leben und arbeiten abhängig von der Jahreszeit zwischen 40 und 100 Forscher, in der russisch-ukrainischen Siedlung Barentsburg gibt es ungefähr 900 Einwohner.
In Svea arbeiten bis zu 200 Grubenarbeiter, allerdings leben sie nicht hier.
In Hornsund gibt es eine polnische Forschungsstation, hier gibt es ganze 8 Bewohner.
Sie sehen also – wer hier lebt, der tut es weil er eine bestimmte Arbeit verrichtet.
Willem Barents gilt als der Entdecker der Inselgruppe. Am 25. Juni 1596 erblickte er sie und gab diesem Land den Namen Spitzbergen – nach den spitzen Bergen an der Westküste. Der Ort Barentsburg und die Barentssee wurden nach ihm benannt.
Henry Hudson, ein bekannter englischer Seefahrer auf Entdeckungsreisen, kam im Jahr 1607 nach Spitzbergen. Er entdeckte dieses Gebiet als Jagdgebiet – damit begannen die unrühmlichen Walfangaktionen.
1906 wurde die erste Grubensiedlung von John Munroe Longyear gegründet, 1908 führte Max Raebel geologische, botanische und meteorologische Untersuchungen hier durch und traf 1910 Ferdinand Graf Zeppelin, der eine Polarexpedition mit dem Luftschiff plante.
1926 dann erreicht Roald Amundsen als erster den geografischen Nordpol der Erde mit einem Luftschiff. Start für diese Fahrt war Ny-Ålesund.
1920 kam es zum Spitzbergen-Vertrag und 1925 erlangte Norwegen die Souveränität über Spitzbergen oder Svalbard.
Inhalt des Spitzbergen-Vertrags ist die Sicherung der friedlichen Nutzung der Inselgruppe. Die Souveränität Norwegens wird darin eingeschränkt um die Tatsache, dass alle unterzeichnenden Länder des Vertrages auf den Inseln ökonomisch tätig sein dürfen. Allerdings sind Norwegen und Russland bisher die einzigen Staaten, die davon auch Gebrauch machen.
Alle Reste menschlicher Kultur vor 1946 sind unter Denkmalschutz gestellt und dürfen nicht verändert werden. Das gilt ganz besonders für die Überreste der Grubenbahnen und Hütten.
Verkehrstechnisch ist Spitzbergen durch den Flughafen in Longyearbyen vor allem mit Norwegen aber auch mit anderen Ländern verbunden.
Und natürlich durch die Forschungs- und Touristenschiffe im Sommer.
Befestigte Wege im Sinne von Straßen gibt es nicht. Transporte innerhalb der Inselgruppe werden per Schiff, Flugzeug oder Hundeschlitten bewältigt.
Die Menschen hier arbeiten in den Bereichen Forschung, Tourismus oder Bergbau und das vor allem in den Städten Longyearbyen, Sveagruva und Barentsburg.
Eine ganz besondere Einrichtung ist die 2008 gegründete Pflanzensamenbank. Die Organisation Svalbard Global Seed Vault hat es sich zur Aufgabe gemacht Nutzpflanzen aller Art zu erhalten und so die Welternährung sicherzustellen.
Spitzbergen ist vor allem in der Zeit der Mitternachtssonne ein Ziel von Touristen.
Aber es ist eben kein alltägliches Ziel. So sollte man nie eine Wanderung ohne geeignete Führung und ohne Waffen unternehmen – denken Sie an die Eisbären.
Vergessen Sie nie – eine Wanderung hier auf Spitzbergen ist immer eine Expedition, man weiß nie was passiert.
Wenn Sie sich Spitzbergen als neue Heimat ausgesucht haben, hier hin auswandern wollen – überlegen Sie es sich gut. Es sind doch sehr spezielle Lebensumstände die Sie hier erwarten.
Erkunden Sie die Inselgruppe zuerst einmal besuchsweise.
Und wenn Sie nach Spitzbergen auswandern wollen, dann sollten Sie auch die Sprache vorher lernen. Die offizielle Sprache ist Norwegisch. In Barentsburg wird allerdings vor allen Dingen Russisch gesprochen.
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