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Gleichberechtigung in der Welt im Vergleich

Gleichberechtigung – die Quadratur des Kreises

(EM) Das Thema Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern ist schon ein spannendes Thema. Da für gewöhnlich sich jeder einem Geschlecht zugehörig fühlt, betrifft dies uns alle. Grundsätzlich erhält man den Eindruck, dass sich die Problematik grob auf zwei Lager beschränkt: Diskriminierte und Männer.

Da ich jedoch ganz bewusst auch einmal andere Positionen als der Mainstream (nein, nicht der Gender-Mainstream) und der Autor dieses Artikels ein Mann ist, möchte ich ganz bewusst zeigen, dass auch Männer im Jahre 2008 nicht immer übervorteilt werden. Ja, zum Teil werden wir Männer diskriminiert. Mit diesem Satz löse ich auf Partys immer ein lautes Gelächter, insbesondere bei Frauen hervor. Dem Gelächter folgt dann meist ein ironisches, überspitzt mitleidiges Stöhnen.

Es bedarf allerdings nur einiger Beispiele um kurze Zeit später Verständnis, auch der weiblichen Diskussionspartner -Pardon! Diskussionspartnerinnen- zu erreichen. Grund genug, dies einmal zu Papier zu bringen, um zukünftig auch den männlichen Feministen einige Argumentationshilfen zu geben.

Frauen und Kinder zuerst

Zunächst einmal möchte ich erklären, warum selbst die Frauen, die im Rettungsboot auf der Titanic saßen, während ihre Männer ertranken, immer noch der Meinung waren die Unterdrückten zu sein. Das Problem liegt daran, dass der Mensch (Frau wie Mann) zu einem gesunden Egoismus neigt. Das hat die Natur uns so mitgegeben und das hilft uns, trotz der Drecksäcke da draußen zu überleben. Außerdem neigt der Mensch dazu, Misserfolge immer anderen anzulasten.

Denken strengt uns außerdem an und Pauschalurteile vereinfachen das Denken ungemein. Pauschalurteile sind quasi unsere kleinen Gehilfen, den Alltag ohne viel Gehirntätigkeit zu meistern. Und da die meisten um einen herum ebenfalls sparsam mit dem Denken umgehen, bekommen wir für Stammtischparolen einfach mehr Applaus, als der sachlich argumentierende Akademiker, der im Pöbel untergeht.  

Das die Rollenverteilung in unserer Gesellschaft problematisch ist, bekommt man schon als Kleinkind zu spüren. Fängt man als Junge mal an zu heulen, bekommt man gesagt: Mädchen heulen, ein Indianer spürt keinen Schmerz! Ich habe den Sinn dieses Satzes als Kind nie verstanden, zumal –zu meiner Schande- ich immer bei der Kavallerie sein wollte. Heute als informierter Betrachter möchte ich aus gewissenstechnischen Gründen natürlich auch lieber der Indianer sein. Aber egal ob Indianer oder Kavallerie, jedenfalls kein Mädchen, denn die weinen!

So harmlos dieser Satz auch klingen mag, er macht ganz klar: Männer sind stark, Frauen schwach. Im ersten Moment kann man sich also freuen ein Mann zu sein. Aber wie das so ist mit den Schwachen und den Starken, manchmal ist weniger mehr. Es ist wie beim kochen, zuviel Stärke und der Genuss ist dahin. Spätestens bei den Bundesjugendspielen ärgert man sich nämlich, weil die Sabine zwar 5 Sekunden später im Ziel war, aber trotzdem im Gegensatz zu mir, eine Ehrenurkunde. Zu allem Überfluss daraus resultierend auch noch eine 3 in Sport.

Aber da gibt es immerhin noch die Bundesjugendspiele in Gymnastik. Zumindest gab es sie zu meiner Zeit. Die Mädchen waren eindeutig talentierter im Bodenturnen oder am Reck. Trotzdem galt hier nicht dasselbe Prinzip, das der vermeintlich Benachteiligte einen kleinen Bonus bekommt. Und warum nicht? Weil er ein Indianer ist und nicht weint, wenn er keine Urkunde bekommt.

Gut, nun ist es in der Tat nicht schlimm, wenn man als junger Mann keine Urkunde bei den Bundesjugendspielen für Gymnastik bekommt. Wenn das alles wäre, was den Unterschied in der Behandlung zwischen Frau und Mann ausmacht könnte man(n) sicher gut damit leben. Ärgerlicher ist da schon das ausreichend in Erdkunde, obwohl das Mädchen aus der ersten Reihe nie was sagt und ein befriedigend bekommt. Gut, sie sieht hübscher aus, aber weiß sie trotzdem eher wo der Limpopo fließt? Da bekommt der Begriff befriedigend schon wieder fast eine neue Dimension. (Anmerkung des Verfasser: Nur damit wir uns nicht falsch verstehen, ich hatte nie ein ausreichend in Erdkunde, sondern war immer im 2er-Bereich).

Jungs, die Sitzenbleiber

Aber selbst damit könnte man ja leben. Trotzdem, bereits in dem unschuldigen Alter bekommen Jungs ganz klar gezeigt, wohin die Reise geht. Heute lässt sich dies sogar durch Untersuchungen belegen, Jungs bekommen für gleiche Leistungen im Durchschnitt schlechtere Noten. Trotzdem gibt es an den Schulen zwar eine Mädchenbeauftragte, aber selten einen Jungenbeauftragten. Woran liegt es denn nur, dass heute mehr Jungs sitzenbleiben, die Schule verweigern und in den Sonderschulen die 75 % Mehrheit haben?

Lange Zeit wurde das Problem ignoriert. Und heute haben wir das Problem, dass die Jungs seltener Abi machen und weniger Studenten stellen. Trotzdem sollen sie später einmal der Hauptverdiener der Familie werden. Wenn sie diesem Bild nicht entsprechen, werden sie schnell als Versager abgestempelt. Viele schieben Frust und rutschen ab. Die Gewalt bei Jugendlichen, besonders bei den Jungs nimmt zu. Die einzige Antwort, die der Politik dazu einfällt sind Erziehungscamps. 

Ist es nicht notwendig, dass die Gesellschaft auch den Jungs wieder ein positives Image verschafft? Die Art der Respektlosigkeit mit der in vielen Medien das Männliche an sich dagestellt wird ist erschreckend. Man braucht nur den Fernseher einzuschalten: Tritte in die männlichen Genitalien werden verharmlost und sehr häufig bekommen Männer von einer Zicke eine Ohrfeige in das Gesicht gepfeffert. Gewalt des Schwächeren gegenüber dem Stärkeren ist anscheinend erlaubt. Umgekehrt ein absolutes NO GOING.

Der Begriff Prügelknabe könnte ein Produkt der heutigen Zeit sein. Aber dürfen wir uns dann nicht wundern, wenn Jungs immer mehr zu Gewalt neigen. Gewalt ist oft eine Reaktion auf ein angekratztes Selbstwertgefühl und unsere Gesellschaft ist nicht gerade auf dem Besten Weg das Selbstwertgefühl von jungen Männern zu stärken.

Natürlich ist Gewalt an Frauen schlimm. Aber ist umgekehrt Gewalt an Männern nicht auch schlimm?

Aber zurück zu den schlechten schulischen Leistungen der Jungen. Einige Bildungsforscher sehen ein erstes Problem darin, dass ein deutlicher Überhang weiblicher Grundschullehrer vorliegt. Der Unterrichtsstoff ist an den Sachinteressen und Vorlieben der Mädchen orientiert. Ganz zu schweigen von den Kindergärten, wo meist auch nur Erzieherinnen wirken. Wann legt denn die Gleichstellungsbeauftragte endlich einmal Widerspruch ein, wenn mal wieder eine Frau als Kindergärtnerin eingestellt wird, obwohl sich auch ein kompetenter Erzieher beworben hat?

Frau Gleichstellungsbeauftragte 

Die Gleichstellungsbeauftragte ist natürlich ein Thema für sich. Ich glaube kein Amt hat dem Image der Gleichberechtigung der Frau mehr geschadet als diese Institution. In der Regel wird dieses Amt von einer Frau im Betrieb oder der Behörde ausgeübt, die dem Abbild eine Mann am ehesten entspricht. Ich möchte hier aber niemanden pauschal angreifen, es gibt sicher Ausnahmen.

Eigentlich hieß dieses Amt als man es einrichtete Frauenbeauftragte. Dies ist immerhin ehrlicher, als eine Gleichstellungsbeauftragte, die sich nur für Frauen einsetzt. Sie wird übrigens auch nur von Frauen gewählt, so dass es auch konsequent ist, dass sie wie die Politiker, nur ihre Lobby vertritt. Man kann es ihr noch nicht einmal übel nehmen. Der Fehler liegt mal wieder im System und das System ist bekanntlich ein Spiegelbild der Gesellschaft.  

Im öffentlichen Dienst gibt es auch eine andere Unsitte, nämlich die Regelung, dass bei gleicher Qualifikation, Eignung und Befähigung der weibliche Bewerber dem männlichen vorzuziehen ist, sofern Männer in der Behörde die Mehrheit haben. Es gibt aber auch Behörden, wo Frauen die Mehrheit haben. Wer glaubt, dass hier Männer bevorzugt eingestellt werden, hat das System der Bundesjugendspiele für Gymnastik immer noch nicht verstanden.

Nur leider geht es hier um mehr. Hier geht es um wirtschaftliche Existenz und das Geschlecht sollte nie ein Argument sein, jemanden zu bevorzugen. Außer natürlich bei der Auswahl für den eigenen, privaten Geschlechtsverkehr. Im Übrigen erscheint es mir nicht frauenfreundlich eine ledige Bewerberin einem Familienvater bei gleicher Eignung bei der Stellenbesetzung vorzuziehen. Die Familie des Bewerbers, zumindest seine Ehefrau ist von der Entscheidung immerhin auf negativ betroffen. Wenn der Bewerber auch noch das Glück hat und zwei Töchter hat, sind gleich drei Frauen negativ betroffen. Wie kann solche eine Regelung der Sache der Frauen wirklich helfen? Ganz zu schweigen von den Vorbehalten, mit denen die Bewerberin auf ihrer neuen Stellen erwarten.

Es gibt Hoffnung

Nein, wenn man schon soziale Kriterien einbauen möchte, dann muss man es sorgfältiger und differenzierter tun. Aber genau da fängt es meist an, denn Sorgfalt und Differenziertheit sind nicht unbedingt die Stärken von Politikern. Da tut es richtig gut, wenn z.B. Politikerinnen wie Ursula von der Leyen (CDU) auch gezielt die Väter ansprechen, sich an der Erziehung des Kindes zu beteiligen. Durch die neue Elternzeitregelung verlängert sich Elternzeit von 12 auf 14 Monate, wenn der Vater mitmacht. Dies sind richtige Ansätze und es ist Frau von der Leyen hoch anzurechen, dass sie trotz der massiven Kritik, insbesondere auch von konservativen Männern.

Auch Frau Dr. Monika Stolz (CDU), die  Beauftrage der Landesregierung von Baden-Württemberg für Chancengleichheit von Frauen und Männern, die sich verstärkt für einen gleichberechtigten Boysday zum Girlsday einsetzt, denkt konsequent und richtig. Auch sie erntet vielfach Kritik, sei es von Feministinnen oder aber von konservativen Männerverbänden. Es ist schon erstaunlich, aber die konsequentesten Fürsprecher für eine in meinen Augen objektive Gleichberechtigung sind momentan bei Frauen im konservativen Lager zu finden. Dies ist einer der Überraschungen, die eben doch dafür sorgen, dass Politik und Nachrichten schauen Spaß machen kann.

Feminismus wichtig aber nicht gegen die Männer

Ich möchte dem Feminismus nicht unrecht tun. Im Gegensatz zur Gleichstellungsbeauftragten ist der Feminismus vom Grundsatz her eine erfreuliche Erscheinung, die unsere Gesellschaft dringend brauchte und zum Teil auch noch benötigt. So ist es immer noch nicht nachvollziehbar, warum Frauen in verschiedenen Berufen immer noch schlechter bezahlt werden, als ihre männlichen Kollegen. Es gibt sicherlich noch einige Bereiche, die einen engagierten Feminismus benötigen, allerdings wünsche ich mir, dass erreichte Ziele so umgesetzt werden, dass die jahrelange Diskriminierung nur durch einen Privilegierung ersetzt wird. Vielmehr ist eine wirkliche Gleichberechtigung notwendig, damit diese nachhaltig wirkt und sich fest in der Gesellschaft verankert.

Sicher, es wäre Utopie zu glauben, dass immer alle mit einer Entscheidung, Zustand oder Regelung vollkommen einverstanden sind. Deswegen ist es aber umso wichtig, dass die Ergebnisse transparent und nicht willkürlich erscheinen.

Ein paar Ideen

Im Zweifel sollte die Faustregel gelten, die wir auch im Grundgesetz finden: Artikel 3 der Verfassung in seinem 2. Absatz: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Dieser Satz alleine sollte das Maß sein. Um das ganze kurz an einigen Beispielen zu erläutern:

Versicherungen: Die Versicherungsbeiträge müssen für Frauen und Männer gleich hoch sein. Es gibt immer noch große Unterschiede zwischen den Beiträgen die Frauen zu leisten haben und Männer. Bei der Krankenversicherung müssen Frauen zum Teil deutlich tiefer in die Tasche greifen, im Kfz-Bereich die Männer.

Wehr- und Ersatzdienst: Entweder der Wehrdienst wird abgeschafft oder es wird ein allgemeines soziales Jahr eingeführt. Davon sind Frauen und Männer gleichsam und in der gleichen Länge betroffen. Die Begründung, dass Männer die Waffe tragen und Frauen die Kinder kriegen ist Spiegelbild einer nicht mehr zeitgemäßen Einstellung. Von dem allgemeinen sozialen Jahr wären Frauen und Männer ausgeschlossen, wenn die Frauen schwanger sind oder sich die Frau oder der Mann um Nachwuchs kümmern müssen. 

Berufsleben: Das Geschlecht darf kein Kriterium sein für Personalentscheidungen oder die Höhe des Gehaltes. Die Gleichstellungsbeauftragte wird zukünftig von Frauen und Männern gewählt und setzt sich auch für beide Geschlechter ein.

Rente: Mittlerweile wurde das Renteneintrittsalter von Frauen und Männern in Deutschland immerhin gleichgesetzt. Früher konnten Männer erst später in Rente als Frauen. Dies ist in einigen Ländern sogar heute noch so. In Großbritannien können Frauen mit 60 Jahren, Männer erst mit 65 Jahren in Rente. Eine deutliche Diskriminierung, zumal Männer in den westlichen Ländern eine deutlich geringere durchschnittliche Lebenserwartung haben. In Deutschland werden Männer im Durchschnitt 76 Jahre, Frauen 82 Jahre. Dies bedeutet im Durchschnitt eine längere Rentenbezugsdauer von 6 Jahren. Der Mann hat 11 Jahre, die Frau ganze 17 Jahre Rentenbezug. Ein deutlicher Unterschied, den man sicher nicht würdigt, in dem Männer erst später in Rente gehen dürfen. Manch ein pfiffiger Politiker könnte nun die Idee aufgreifen und Männer früher in Rente schicken. Dies halte ich jedoch, genauso wie unterschiedliche Versicherungsbeiträge, für eine Knäckebrotlogik. Da man nicht weiß, wie alt ein Individuum wird, sollte man es nicht aufgrund seines Geschlechtes klassifizieren und entsprechend bevorzugen oder benachteiligen. 

Freizeit: Wirtschaftliche Unternehmungen dürfen keine geschlechterspezifischen Privilegien einräumen. Aktionen wie Frauen haben freien Eintritt oder Ladiesnight mit  kostenlosen Getränken nur für Frauen, erscheinen im ersten Moment zwar harmlos. Sie sind aber letztendlich auch eine Bevorzugung aufgrund des Geschlechts und daher gesellschaftlich nicht akzeptabel. Die Intention die dahinter steht ist im Übrigen offensichtlich und dient offenbart nicht unbedingt ein positives Frauenbild des Anbieters.

Auch bei den Umgangsformen sollte man moderner agieren. Dies kann man sicherlich nicht gesetzlich regeln, aber es wäre gesellschaftlich wünschenswert. Was spricht eigentlich dagegen, wenn man als Wertschätzung dem jeweils anderen Geschlecht Höflichkeit erweist. Moderne Menschen verhalten sich bereits so. Ich finde es zum Beispiel angenehm, wenn eine Kellnerin mir (männlich) zuerst das Essen serviert und dann meiner Frau. Oder wenn ein Mann eintritt und eine Frau aufsteht um ihn zu begrüßen. Irgendwelche Hobby-Knigge-Kenner betonen dann immer „Nein, die Frau darf sitzen bleiben, nur der Mann muss aufstehen!“. Diese Hobby-Knigge-Kenner sind meistens die gleichen Leute, die in den eigenen vier Wänden ihre Frau mit Waschen, Spülen und Putzen alleine lassen. 

Ich jedenfalls denke, dass sich einer Gleichberechtigung beider Geschlechter nur angenähert wird, wenn auch der Knigge mal etwas anders gelesen wird. Es besteht sicher Hoffnung, wenn sowohl vertrocknete Männer als auch Frauen über ihren Schatten springen. Es ist vieles verkompliziert worden, was eigentlich so einfach ist. 

Warum sehen wir nicht einfach in jeder Frau und jedem Mann den Menschen?

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