Atomkraft – ein unverantwortbares Risiko
(EM) Atomkraft ist sicherlich eine der meist diskutierten Energiegewinnungsformen überhaupt. Nach den Unfällen von Three Mile Island bei Harrisburg (USA) und Tschernobyl (heute Ukraine) am 26. April 1986 wurde die Anti-Atomkraft Bewegung so stark, dass man schon vermutete, das Ende vor Atomkraftwerke sei gekommen. Heute gibt es aber einige Länder, die wieder vermehrt auf Atomkraft setzen.

Bild: Reaktorblock 2 in Three Mile Island nahe Harrisburg (USA)
Weltweit uneinig zum Thema Atomkraft
Europa ist insgesamt ziemlich gespalten, was das Verhältnis zur Atomenergie angeht. Österreich hatte bereits 1978, nach einem Referendum, den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen und sein einziges bereits fertig gestelltes Kernkraftwerk Zwentendorf nie in Betrieb genommen. Das österreichische Parlament beschloss 1997 einstimmig die Anti-Atom-Politik fortzusetzen. Auch andere Länder haben den Atomausstieg beschlossen: In Italien fand 1987 eine Volksabstimmung zur Atomkraft statt, darauf wurden die italienischen Kernkraftwerke geschlossen. Schweden beschloss 1980 bereits den Ausstieg aus der Kernenergie, die Niederlande 1994. Beide Länder haben ihn jedoch noch nicht umgesetzt. Deutschland hat im Jahr 2002 den schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Die spanische Regierung beschloss 2006 den Ausstieg bis 2024. Belgien hatte 1999 den Ausstieg beschlossen, diesen aber 2005 unter einer neuen Regierung bereits mit einer verlängerten Ausstiegsfrist aufgeweicht. Auch verzichten u.a. Irland, die Philippinen, Australien und Neuseeland ganz auf Atomkraft.

Bild: Plakat des Bundesumweltministeriums
Andere EU-Länder sind Befürworter der Atomenergie und bauen diese sogar aus. Allen voran Frankreich, dass nach Litauen weltweit mit fast 80 % den höchsten Anteil an Atomstrom am nationalen Energiemix hat. Auch Großbritannien setzt zukünftig wieder mehr auf Atomenergie und möchte die alten Kernkraftwerke durch neue ersetzen. Es arbeitet diesbezüglich eng mit Frankreich zusammen. Hauptargument sind dabei auch die Klimaziele und die Vorgaben des Kyoto-Protokolls. Kernenergie produziert kein Kohlendioxid und sei daher auszubauen. Kritiker halten dagegen, dass bei der gesamten Produktionskette durchaus auch Kohlendioxid entsteht, andere Treibhausgase auch bei der Kernenergiegewinnung selbst.
In Finnland wird zurzeit der erste Europäische Druckwasserreaktor (ERP) in Olkiluoto von Framatome ANP gebaut. Die Erbauerfirma ist ein Zusammenschluss vom französischen Atomkonzern Areva und Siemens. Dieser Bau ist der Erste in Europa nach der Tschernobyl-Katastrophe. Nach Finnland zieht auch Frankreich mit einem neuen Atomkraftwerk nach: Der gleiche Typ soll in Flamanville gebaut werden. Die Hersteller bezeichnen ihn als besonders sicher. Neue Atomkraftwerke planen oder bauen auch Russland, Indien, China, Südkorea, Bulgarien, die Ukraine (!), Argentinien, Pakistan und die USA.
Risiken
Die Risiken von Atomkraft stehen meines Erachtens in keiner Relation zu den Vorteilen. Sicher, Kernkraft erscheint zunächst als günstige Energiegewinnungsmethode ohne fossile Brennstoffe zu verbrauchen. Wenn man aber bedenkt, dass die Entsorgung der radioaktiven Abfälle und Brennelemente äußerst problematisch ist. Zwischenlager und Endlager für hunderte und tausende von Jahren müssen bestimmt werden. Das Problem ist dabei auch, eine negative Beeinflussung der Umwelt durch die Abfälle zu verhindern. Diese Kosten und auch Risiken sind schwer zu kalkulieren. Es kann nie ganz ausgeschlossen werden, dass nicht doch Radioaktivität austritt und z.B. Grundwasser verseucht.
Ganz zu schweigen von den Risiken, die durch den direkten Betrieb eines Kernkraftwerks entstehen. Die Katastrophe von Tschernobyl hat gezeigt, wie riskant die Nutzung von Kernenergie ist. Weite Landstriche der Ukraine und Weißrusslands sind durch das Unglück für Jahrhunderte verseucht worden. Der Schock saß tief, aber wie immer heilt die Zeit alle Wunden. Und leider ist Atomenergie in einigen Ländern mittlerweile wieder auf dem Vormarsch.
Die Liste der Störfälle ist lang. 2006 kam es in Schweden im Reaktor Forsmark-1 zu einem Kurzschluss. Der Reaktor musste heruntergefahren werden, der Strom zur Steuerung des Kernkraftwerkes fiel aus, es wurden Diesel-Notstromaggregate benötigt, wobei von vier zunächst nur zwei ansprangen. Später könnten die nicht angesprungenen manuell zugeschaltet werden, der Wasserstand im Reaktor kam wieder auf Normalniveau.
Der Vorfall zeigt, dass selbst natur bewusste und moderne Länder wie Schweden, durch Kernenergie in kritische Situationen gelangen können. Erschreckend, dass Schweden, ansonsten in vielen Bereich unbestritten vorbildlich, trotzdem immer noch an der Atomkraft festhält. Und das obwohl gerade Schweden auch von den Auswirkungen Tschernobyls stark betroffen war.
In meinen Augen rechtfertigt die Stromgewinnung nicht die Gefahren für Mensch und Natur, die durch Atomenergie drohen. Man kann nur hoffen, dass die Länder, die den Ausstieg vollzogen haben, daran festhalten und regenerative Energien und umweltfreundliche Stromgewinnung sich weltweit durchsetzen.
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