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Haie – Raubfische oder gnadenlos bejagte Opfer
(EM) Kaum ein Lebewesen auf unserem Planeten ruft derartige Panikattacken hervor wie ein Hai. Doch ist diese Art der Knorpelfische wirklich so gefährlich?
Weltweit gibt es über 500 Haiarten. Das Wort Hai kommt aus dem Isländischen und bedeutet übersetzt Haken. Damit wird auf die Hakenförmige Schwanzflosse der Haie angespielt. Der wissenschaftliche Name ist Selachii. Was viele wundern dürfte: Die Wahrscheinlichkeit vom Blitz oder einer Kokosnuss getroffen zu werden, ist größer als von einem Hai getötet zu werden. Auch an Wespenstichen sterben mehr Menschen als an den Folgen einer Haiangriffs. In Normalfall werden jährlich weniger als 10 Menschen durch Haiattacken getötet, im Gegenzug erlegt der Mensch alljährlich Millionen von Haien.
Besonders Steven Spielbergs vier Verfilmungen von „Der weiße Hai“ haben bis heute das übertriebene Image von Haien als aggressive Bestie geprägt. Die meisten Haie sind Raubfische, eine der wenigen Ausnahmen ist ausgerechnet der größte Hai und zugleich auch größte Fisch der Erde, der Walhai. Er ernährt sich von Plankton und anderen Kleinstlebewesen durch filtern des Wassers.
Für Taucher ist das Sichten eines Walhais ein besonderes Erlebnis. Sie werden knapp 14 m lang und können ganze 12 Tonnen Gewicht erreichen. Trotz dieser immensen Erscheinung und etwa 3.600 kleinen Zähnen ist er für den Menschen ungefährlich. Sein Lebensraum sind die warmen, tropischen und subtropischen Gewässer mit Temperaturen zwischen 21 und 25 °C. Weitere ungefährliche Exemplare sind die Riesenhai und die Riesenmaulhaie.
Die verschiedenen Arten
Die wenigsten Haiarten erreichen einen für den Menschen gefährliche Größe. Natürlich gibt es aber auch Haiarten, die unter bestimmten Umständen eine Gefahr für Menschen darstellen. Genauso wie andere Tiere und Meeresbewohner. Meist verwechselt der Hai den Menschen mit seinen klassischen Beutetieren wie Robben oder Seelöwen. Angelockt durch wenige Tropfen Blut, Geräuschen oder Bewegungen können sie unberechenbar sein. Das hat ihnen einen miesen Ruf beschert und nur wenige Menschen haben Mitleid, wenn berichtet wird, dass Haie vom Aussterben bedroht sind. Das Auftauchen einer Rückenflosse ist in vielen Spielfilmen verbunden mit dem baldigen Ableben eines Schauspielers.
Hai halten sich gerne in den nährstoffreichen Küstengewässern auf. Der Bullenhai gilt als einer der gefährlichsten Haie, weil er gerne in Flüssen (Ganges, Amazonas) verweilt und sogar im süßwasserhaltigen Nicaraguasee vorkommt. Der Weiße Hai ist dagegen selten geworden. Er lebt in gemäßigten, subtropischen und tropischen Gewässern. Relativ häufig ist er noch vor den Küsten Südafrikas, Australiens, Neuseelands und Kaliforniens anzutreffen. Außerdem auch im Mittelmeer und wurde sogar in Südengland (Cornwall) schon gesichtet. Häufig findet man sie auch in der Nähe von Seehund- und Seeelefanten, wie Australien, Kalifornien und Südafrika). Ferner stehen Thunfisch, Schwertfisch, Meeresschildkröten, Makohaie, Hammerhai, Grauhaie, Tintenfische, Pinguine und Krebse auf seinem Speiseplan.

Bild: Der Weisse Hai ist selten geworden
Ebenfalls gefährlich ist der Tigerhai, der trübe Gewässer und Flussmündungen bevorzugt. Er ernährt sich haupotsächlich von Fischen, Schildkröten und Vögeln, gilt jedoch nahezu als Allesfresser. Schon Autoreifen und Nummerschilder wurden in seinem Magen gefunden. Für Schwimmer gilt er als der gefährlichste Hai. Besonders bemerkenswert: Bereits im Mutterleib können die Föten sich gegenseitig verspeisen.
Dem Sandtigerhai werden viele Angriffe des Tigerhais zugeschrieben. Man findet ihn auch im Mittelmeer und im Golf von Maine. In Japan ist er als kulinarischen Gründen heiß begehrt. Er hält sich gerne in Küstennähe oder Korallenriffen auf. Weil er keine Schwimmblase hat, kann er seinen Magen mit Luft füllen und damit seine Höhe im Wasser regulieren. Beim Schwimmen haben sie das Maul geöffnet, was einen aggressiven Eindruck vermittelt. Eigentlich gilt er jedoch als wenig aggressiv.
Der Weißsitzen-Hochseehai lebt eher küstenfern, hat aber auch schon Menschen attackiert. Er befindet sich in starker Nahrungskonkurrenz zu anderen Haiarten und ist wenig wählerisch. Er gilt als aggressiv und bewohnt die tropischen und subtropischen Regionen. Vor allem jüngere Exemplare jagen gerne in Gruppen. Begleitet werden sie auch von Pilotfische, die sie von Hautschmarotzern befreien.
Rein äußerlich fallen die Hammerhaie ins Auge, sie haben eine hammerartige Verbreitung der Schnauze. Damit gelingt es ihnen Muscheln und Beutefische im Sand aufzuspüren. Sie leben haiuntypisch meist in Gruppen zusammen und sind für den Menschen gefährlich. Angriffe sind jedoch selten, weil er ein gutes räumliches Sehvermögen besitzt und daher seine klassischen Beutetiere vom Menschen unterscheiden kann.

Bild: Ein Hammerhai im seichten Wasser
Der Kurzflossen-Mako zählt zu den Makrelenhaien und ernährt sich hauptsächlich von Schwertfischen, Makrelen, Thunfisch, Blauhaien, Grauhaien und Hammerhaien. Er lebt in den subtropischen und warm-gemäßigten Gewässern. Man findet ihn sogar vor Norwegen und den Britischen Inseln. Für den Menschen gilt er als potentiell gefährlich.
Der Zitronenhai lebt an den Küsten Amerikas und Westafrikas. Er hat eine gelbliche Färbung und ist am häufigsten in der Karibik und Florida anzutreffen. Er ist nachaktiv und bevorzugt Buchten, Riffe, Hafenbecken und Flussmündungen. Er ist mit über 3 m einer der größeren Arten und für den Menschen gefährlich.
Seidenhaie gehören zur Familie der Requiemhaie. Meist lebt er in der Hochsee, die jüngeren Tiere aber auch Schutz suchend nahe der Küste. Seidenhaie sind im Schnitt etwas größer als 2 m und leben in tropischen und subtropischen Regionen.
Der Blauhaie gilt als die am weitesten verbreitete Art der Knorpelfische. Auch kühlere Regionen scheinen ihm zu liegen und so findet man ihn auch vor den Küsten Norwegens, Maines, Neufundlands und im Skagerrak. Im Nordatlantik von Großbritannien bis zum Senegal, außerdem Südafrika und Südamerika. Aber auch woanders ist er anzutreffen. Sein Fleisch ist stark harnsäurehaltig, was insbesondere die Japaner aber nicht vom Verzehr abhält. Er gilt als Hochseehai, selten findet man ihn in Küstenzonen. Attacken auf Badegäste, Taucher und Boote sind schon vorgekommen.

Bild: Blauhaie findet man sogar vor Norwegen und Maine
Der Graue Riffhai bevorzugt, wie sein Name vermuten lässt, Korallenriffe im Indopazifik (Madagaskar, Seychellen) und dem Roten Meer. Er hat wie die meisten Haie ein ausgeprägtes Sozialverhalten, was in seinem Drohverhalten deutlich wird. Vor dem Angriff schwimmt er enge Kreise und schwenkt den Kopf. Mit gewölbte Rücken und gesenkte Flosse lässt er sich absinken und geht zur Attacke über. Angeblich neigt er, zu Fressorgien, wo er alles verschlingt, was ihm begegnet.
Ammenhaie besitzen am kleinen Maul paarige Barteln und zwischen Nase und Maul befinden sich Furchen. Sie sind nachtaktiv und jagen Seeigel, Krabben, Kraken oder Seeigel. Die Nahrungsaufnahme erfolgt durch Saugfressen, d.h. die Beute wird aus einer Spalte einfach aufgesaugt. Wenn sie ihre Beute erwischt haben, lassen sie sie, anders als z.B. der Weiße Hai, nicht mehr los. Über Tag ruhen sie auf dem Grund, daher findet man sie oft in Aquarien und Zoos. Sie gelten zwar als friedlich, sind aber potentiell auch für den Menschen gefährlich.

Bild: Ammenhaie nehmen es meist gelassen
Haie auf dem Speiseplan
Besonders in Ostasien ist Hai eine begehrte Zutat beim Kochen. Das bekannteste Gericht ist sicherlich die Haifischflossensuppe. Die Haifischflossen werden in Hühnerbrühe gekocht bis sie sich in faserige Bestandteile auflösen. Es entsteht eine gelatinöse Flüssigkeit, der die Chinesen besondere Lebenskraft zusprechen. Nicht nur von Tierschützern wird die vielfach qualvolle Gewinnung von Haifischflossen kritisiert. Den Tieren werden die Flossen abgeschnitten, danach schmeißt man sie zurück ins Meer wo sie verenden (Hai-Finning).
Aber auch in der westlichen Küche, werden Haie verzehrt. Oft verstecken sich Haiarten unter Formulierungen wie Greyfish (Grauhai), Rocksalmon (Katzenhai aus Irland), Schillerlocke (Dornhai) oder Seeaal (Dornhai in Gelee). Auf besonders ausgefallene Art genießen die Isländer ihren Eishai: Der Hai wird zunächst wochenlang in einer Grube vergraben (oder moderner in Holzkisten gelagert), danach noch einige Wochen in einer offenen Hütte abgehangen. Da der Grönlandhai keine Nieren hat, ist dieses Verfahren zur Entgiftung des Fleisches notwendig. Man kann sich denken, dass Hákarl, wie die Isländer dieses Gericht nennen, sehr gewöhnungsbedürftig ist.
Übrigens, das Nationalgericht der Briten Fish´n Chips ist oft auch aus Dornhai zubereitet. Da Haie am Ende der Nahrungskette stehen, ist der Genuss von Haifisch
Haie vor dem Aussterben
Aber nicht nur der Konsum von Haie stellt eine Bedrohung für das Überleben der Art dar. Haie verenden häufig als Beifang in den Treibnetzen, außerdem ist ihr Gebiss als Trophäe von Jägern beliebt. Das Bejagen des Hais ist für viele ein Sport. Ein weiteres Problem ist, dass der Lebensraum der Hai immer mehr verschmutzt wird. Viele Haie leben in Flussmündungen, gerade hier werden aber viele Schadstoffe ins Meer freigesetzt. Auch Dünger und Verschmutzung durch Aquakulturen von Fisch- und Krevettenfarmen sorgen für die Zerstörung ihres Lebensraumes. Ferner findet Haifische Verwendung in Hai-Knorpelpulver und Nahrungsmittelergänzungen, Leder, Düngemittel, Tierfutter und Schmier- und Reinigungsmittel. Selbst Anti-Faltencremes nutzen Kollagen aus Haien, besonders Israel und die arabischen Staaten, weil der Hai koscher ist.
Wegen seines „schlechten Image“ hat es lange gedauert, ehe man die Schutzwürdigkeit von Haien erkannt hat. Immer mehr Menschen erkennen glücklicherweise, dass Haie für das ökologische Gleichgewicht der Meere wichtig sind.
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