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Japanreise 2007

japan

(KS) Vor Reisen in fremde Länder hat man in der Regel Erwartungen und Vorstellungen, geformt durch Zeitschriften- und Fernsehberichte, Erzählungen von Bekannten, und gerne auch durch Klischees, die man abwechselnd genervt, fasziniert und amüsiert zur Kenntnis nimmt. Schon bevor man einen Fuß hinter die Glastür des Flughafens gesetzt hat, existiert eine Ahnung, wie sich das Land vor den eigenen Augen entfalten könnte. Das Reiseland Japan macht hier keine Ausnahme, und vielleicht haben sich für dieses Land besonders hartnäckige Stereotype in der Phantasie der Reisenden festgesetzt: Wer hat nicht die blühenden Kirschbäume vor Augen, lächelnde Geishas mit weißgeschminkten Gesichtern, und fragile Tempelbögen aus rotem Holz?

Aber Japan ist auch das Land, das für den Nicht-Japaner so wenig greifbar scheint, so schillernd und überraschend, so anders. Und genau dieses Moment des Unbekannten macht eine Reise nach Japan so spannend und außergewöhnlich. Im Juli 2007 erhielten wir während einer zehntägigen Reise einen kleinen Einblick in das Phänomen Japan.

Bevor man sich auf die Reise freuen kann, muss man allerdings die finanzielle Hürde nehmen, die die Buchung eines Flugs nach Japan mit sich bringt. Zu rechnen sind mit 700 – 900 €. In der Regel wird man den Flug nach Tokio, Narita Airport, buchen, aber auch der Kansai International Airport in Osaka kann eine gute Wahl sein, wenn man seine Tour in der Kansai Region starten möchte, wo Highlights wie Kyoto und Nara ein Tage füllendes Programm bieten. Da der Flug ca. 12 Stunden dauert, sollte man übrigens vorher bedenken, dass man bei japanischen Airlines eine geringere Beinfreiheit mitbucht.

karte japan

Wenn man sich vorab um eine Unterkunft kümmern möchte, kann man für die größeren Städte bequem bei den üblichen Internet-Anbietern fündig werden. Eine günstige Möglichkeit der Übernachtung stellen die sog. Business-Hotels dar, die sich  in Ketten über das ganze Land ziehen. Wir haben fast ausschließlich in Häusern der Toyoko-Inn Gruppe (link: www.toyoko-inn.com/eng/) geschlafen, die zweckmäßig eingerichtete, kleine, saubere Zimmer mit Bad aufwiesen. Im Preis enthalten war ein einfaches, japanisches Frühstück (O-Nigiri, Miso-Suppe und grüner Tee oder Kaffee).

Wer eine ungewöhnliche und typisch japanische Übernachtung vorzieht, sollte ein Zimmer in einem Ryokan mieten. Die Zimmer dieser Gasthäuser sind im japanischen Stil eingerichtet: auf dem Boden liegen Tatami-Matten, deren grasiger Geruch das Zimmer erfüllt, und die man nur mit Pantoffeln betreten darf - also werden  die Schuhe im Eingangsbereich ausgezogen. Das Mobiliar ist spärlich und bodennah, und man schläft auf Futons (was zu Beginn tatsächlich gewöhnungsbedürftig ist). Zu einem Ryokan gehört meist ein Onsen, eine heiße Quelle, oder ein Gemeinschaftsbad mit Wasserbecken, das nach Geschlechtern getrennt ist. Während sich auf den Zimmern nur ein Waschbecken befindet, wäscht man sich in den Gemeinschaftsbädern in einem vorgelagerten Bereich von Kopf bis Fuß und steigt dann in das Becken mit sehr heißem Wasser. Oft beinhaltet der Aufenthalt im Ryokan außerdem ein ausgiebiges Frühstück, für das man ausreichend Freude am Entdecken unidentifizierbarer Spezialitäten mitbringen sollte. Und wer hat nicht schon immer davon geträumt, den Morgen mit rohem Fisch und vergorenen Sojabohnen zu beginnen?

Ein Zimmer im Ryokan bewegt sich preislich eher im Bereich von Hotels gehobenen Standards, aber es ist ein unvergleichliches Erlebnis. Leider kann ich keine Empfehlungen für ein bestimmtes Ryokan aussprechen. Das Haus in Himeji, in dem wir übernachtet hatten, war ursprünglich in staatlicher Hand und wurde auch als Kurhotel genutzt. Kurz nach unserem Aufenthalt wurde es von einer privaten Gruppe übernommen, die einen Umbau plante. Es ist auf einem Berghang gelegen, und von den riesigen Panoramafenstern hatte man einen unglaublichen Blick auf die Stadt.

Vor der Abreise sollte man sich frühzeitig um Bargeld kümmern, da die meisten Banken den Yen erst vorbestellen müssen. In Japan bekommt man Bargeld aus zahlreichen Automaten oder bei der Post. Wir haben allerdings die Erfahrung gemacht, dass man manchmal etwas suchen muss, bis man einen ATM findet, der unsere Kreditkarten (Visa) akzeptierte.

Die Planung des Reiseverlaufs wurde in unserem Fall von einer Reiseleitung vorgenommen, da wir mit einer kleinen, privaten Reisegruppe unterwegs waren. Darüber hinaus haben wir uns mit den Reiseführern  von „Reise Know-How, Japan“ und „Lonely Planet, Tokyo“ vorbereitet, die wir als ganz nützlich empfanden. Für Reisende mit speziellem kulturellem Interesse ist ein ausführlicher Reiseführer zu empfehlen, da die Informationstafeln in Tempelanlagen oft nur auf Japanisch sind. Im Internet wird man natürlich ebenfalls fündig, besonders informativ für unsere Zwecke waren folgende Web-Seiten:

www.jnto.go.jpeng/index.html

www.jnto.de

www.de.emb-japan.go.jp

www.visitjapan.jp

www.japan-guide.com

Wer durch das Land reisen möchte, dem sei dringend die Japan Railroad und der dazugehörige Touristenpass, Japan Rail Pass, empfohlen. (link: www.japanrailpass.net/de/de001.html). Der Pass kann nur außerhalb Japans erworben werden (über das Internet oder im Reisebüro). Er gilt für 7, 14 oder 21 Tage und ermöglicht eine unschlagbar günstige und sehr angenehme Art, das Land zu erforschen. Wir haben den JRP direkt nach Ankunft in Narita am Flughafen abgeholt, da man ihn bereits für die Fahrt nach Tokio benutzen kann. Das Wunderbare an Japan ist, dass die Züge vollkommen pünktlich sind. Aber das eigentliche Highlight des japanischen Zugsystems ist der berühmte Shinkansen, den es in mehreren Geschwindigkeitsstufen gibt, und der bis auf Ausnahmen mit dem JRP benutzt werden kann.

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Bild: Der japanische Shinkansen ist nahezu immer pünktlich

Grundsätzlich empfiehlt sich eine Platzreservierung, die man an Automaten oder am Schalter in den Bahnhöfen vornehmen kann. Da dies für uns jedoch durch unsere Reiseleitung erledigt wurde, und ich daher nicht mit gutem Gewissen sagen kann, wie kompliziert sich dieses Unternehmen gestaltet, sucht man sich vielleicht einfach die speziellen Wagons im Shinkansen, für die keine Reservierung benötigt wird.

Spätestens hier drängt sich wahrscheinlich die Frage auf, woran man diese Wagons erkennt und wie man überhaupt den richtigen Bahnsteig findet. Die japanische Schrift, die aus chinesischen Kanji, und den japanischen Silbenschriften Hiragana und Katakana besteht, kann sich zu einem Problem entwickeln, wenn man sich außerhalb der großen Städte und Sightseeing-Hochburgen bewegt. Zumindest hat man in den Bahnhöfen von Tokio und Kyoto keine Probleme sich zu orientieren, da die wichtigsten Informationen auch auf Englisch dargestellt sind; in anderen Situationen wird sich jedoch die Notwendigkeit ergeben, jemanden zu fragen. In den japanischen Schulen wird natürlich Englisch gelernt, aber wie auch in Deutschland sind japanische Hausfrauen oder Kleingewerbetreibende nicht immer in der Lage, eine Auskunft auf Englisch zu geben. Von anderen Seiten habe ich auch gehört, dass es vielen Japanern unangenehm ist, Englisch zu sprechen, wenn sie es nicht perfekt beherrschen. Gute Erfahrungen haben wir immer mit Anzugträgern mit Laptop-Koffer gemacht, für die Englisch zum Business gehört, und auch Jugendliche kann man ansprechen. Wenn das Interesse besteht, sich ein paar japanische Redewendungen anzueignen, empfehle ich übrigens den podcast „Japanesepod 101“ (link: www.japanesepod101.com), hier vor allem den Bereich „survival phrases“.

Die Stationen unserer Reise kann man sicherlich als typisch bezeichnen. Vom Flughafen Narita aus sind wir nach Nikko gefahren, einer kleinen Stadt in den Bergen mit dem berühmtesten Wasserfall Japans und einer großen und beeindruckenden Tempelanlage, in der sich u.a. der Toshogu-Schrein, das Grab des Tokugawa Ieasus, dem ersten Shogun aus der Familie Tokugawa und Begründer des Edo-Shogunats, befindet. Von dort aus ging es nach Kamakura, einer malerisch am Meer gelegenen Stadt, in der viele Tempel und Schreine zu finden sind sowie der zweitgrößte Buddha Japans.

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Bild: Der Buddha bei Kamakura (c) Katja Stepec

Kamakura hat einen größeren Badestrand und zumindest für mich war es ungewohnt, diese Seite von Japan kennen zu lernen. Von Kamakura aus sind wir nach Kyoto gefahren; für die Fahrt von Tokio nach Kyoto, und damit für eine Entfernung von immerhin 500 km, muss man mit dem Shinkansen lediglich 3 Stunden einkalkulieren. Kyoto ist eine der alten Hauptstädte Japans und ein Muss für den Japan-Touristen. Neben dem alten Kaiserpalast und vielen Museen schmückt sich die Stadt mit unzähligen Tempeln und Schreinen, zu denen teilweise wunderschöne Gärten gehören. Kyoto ist gleichzeitig aber auch eine moderne und quirlige Großstadt.

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Bild: Der Goldene Tempel in Kyoto (c) Katja Stepec

Der Kontrast zwischen der meditativen Ruhe des Ryoan-Ji Tempels mit dem berühmten Steingarten und den belebten Straßen in der Innenstadt, wo japanische Popsongs aus bunten Patchinko-Hallen dudeln ist unglaublich und spannend. Von Kyoto aus haben wir das bekannteste Schloss Japans in Himeji besucht, ein eleganter und strahlend weißer Komplex mit typisch geschwungener Dachkonstruktion und kriegerischer Vergangenheit. Schlussendlich kann man die Kansai-Region nicht verlassen, ohne Nara, die erste Hauptstadt Japans zu besichtigen. In Nara zeigt sich der Kern der alten Kultur Japans, hier steht der größte Holztempel der Welt (Todai-ji) der eine riesige Buddhafigur beherbergt; aber auch viele weitere Tempel und Schreine, die zum Weltkulturerbe gezählt werden, finden sich hier. Mitten in Nara  erstreckt sich ein großer Park, in dem Rehe frei herumlaufen und mitunter ziemlich penetrant die Besucher belästigen. Diese Mischung aus Natur und archaischer Geschichte erinnert manchmal an ein Freilichtmuseum, aber tatsächlich wird hier deutlich, dass in Japan Kultur und Geschichte untrennbar mit der Gegenwart verwoben sind.

Da wir während der japanischen Sommerferien unterwegs waren, haben mit uns viele japanische Besucher die Anlagen besucht, was sicher auch ein Grund für das Gefühl war, dass die Sehenswürdigkeiten Japans nicht hauptsächlich für den ausländischen Touristen herausgeputzt werden, sondern für die Japaner selbst bedeutsam sind – und daneben auch einen gewissen Freizeitwert aufweisen. Junge japanische Pärchen besichtigten genauso wie Familien mit Kindern die Tempel und Schreine, machten gegenseitig Erinnerungsphotos vor den Buddhastatuen oder spazierten durch die Gärten.

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Bild: Osaka, eine typische Großstadt in Japan (c) Katja Stepec

Abgesehen von der japanischen Kultur macht es natürlich auch viel Spaß die modernen Freizeitaktivitäten der Japaner zu begutachten. In dieser Hinsicht war sicher der Besuch eines Matsuris, ein japanisches Sommerfest, in Osaka die aufregendste Erfahrung. Entlang des Kanals reihten sich Stände mit buntem Spielzeug, Unterhaltungsangeboten und unterschiedlichstem Essen, dazwischen drängten sich die Menschenmassen, beleuchtet von bunten Lampions und Lichtern. Junge Frauen in Kimonos liefen durch die Nacht, und von irgendwoher knallten die Feuerwerkskörper, deren Lichter hinter den Hochhäusern verschwanden.

Völlig in die Gegenkultur tauchten wir in  Tokio ab, der riesigen, unübersichtlichen und unbeschreiblichen Hauptstadt. Wenn man relativ schmerzfrei oder bereits teil-japanisiert ist, kann man abends viel Spaß in einer Karaoke-Box mit Gratis-Softdrinks und telefonbuchdicken Song-Sammlungen haben; ansonsten verliert man sich in den Stadtvierteln, die nie oder erst spät schlafen, zieht durch die neonblinkenden Straßen an den abertausenden Restaurants vorbei und kann sich allein dadurch großartig unterhalten, dass man die vorbei laufenden Passanten beobachtet. Tokio ist definitiv zu groß für die knappen drei Tage, die wir dort verbrachten, und lässt zu viele Eindrücke zurück, als dass man sie hier zusammenfassen könnte.

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Bild: Die U-Bahn in der aufregenden Weltstadt Tokio

Und Tokio ist wie ein Widerhaken, der sich im Bewusstsein festsetzt und uns sicherlich bald wieder nach Japan zurückzieht. Nach so kurzer Zeit hat man das Gefühl, lediglich die Oberfläche dieses Landes gestreift zu haben, das auch nach dem ersten Besuch die Aura des Fremden, Unbekannten und Faszinierenden nicht verloren hat. Und da Bilder viel besser die Faszination spiegeln als es ein Text kann, hier noch der Hinweis auf ein paar Kurzfilme zu unserer Reise: www.ipernity.com/doc/spiral-stairs/home/video.

Sayonara!

(c) Katja Stepec. Kontaktieren Sie die Autorin unter katja(at)auswandern-nach.net

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